FIAT AMEN

Es sind nicht nur die gewaltigen Umwälzungen und Errungenschaften des 21. Jahrhunderts, die dem Menschen aus dem 20. zu schaffen machen. Es sind auch die – mal mehr, mal weniger heimlich – entschwindenden vertrauten Dinge aus dem 20. Das Verschwinden des Papierfilms hat nun auch die Rentnergeneration hingenommen – sie genießen unterdessen das verschwenderische digitale Fotografieren des Schiefen Turms von Pisa im Maschinengewehr-Modus ohne auf 24 oder 36 Bilder beschränkt zu sein. Von weit geringerer Bedeutung als das Ende des Papierfilms und der Omnipräsenz der Kodak Logos an jeder Straßenecke und in jeder Skihütte ist sicherlich das Verschwinden einer einzelnen Auto-Marke. Und dennoch geht damit ein Kultur-Gut einer ganzen Generation verloren.
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F.I.A.T.
Fabricca Italiana Automobili Torino. Die Vier Buchstaben hatten einst Glanz und Bedeutung
Fabricca – hier wird etwas geschaffen mit Tradition und mit Stolz
Italia – auch Italien hatte seinen Glanz, bevor einzelne Politiker die Kultur-Wiege zur Witz-Kultur Europas gemacht haben.
Automobili – das sich selbst Fortbewegende. Dass sich ein Auto automatisch fortbewegt ist nichts Spezielles mehr. Spannend ist für uns höchstens noch das sich selbst  fahrende Google-Mobil.
Torino – was für ein klingender Name: Turin, die Hauptstadt des Designs über der Giorgio Giugiaro als Gott des Auto-Designs schwebt.

Dieses Jahr wird bekannt gegeben, dass FIAT in die FCA übergehen wird, die Fiat, Chrisler Automobiles. Ausgerechnet Chrisler. Statt intelligenter, zukunftsweisender Autos wie dem legendären „Volks-Fiat“, dem Panda, werden hier brachialste, rückwärtsgewandte Design-Verbrechen begangen, Cabriolets wie der PT-Cruiser und Kombis wie der Chrisler Touring gleichermassen an Amerikas große Auto-Zeit nur noch erinnernd. Nicht einmal der Hauptsitz der FCA soll in Italien bleiben. Mehr kann man einem Unternehmen die Seele nicht rauben. Das F in der Unternehmensbezeichnung wirkt mehr wie ein Hohn als wie ein Homage.

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Der Nostalgie halber möchte ich hier festhalten, was ich mit der Marke FIAT verbunden habe. Zurückblickend war eigentlich auch unser fröhlich vor sich hin jauchzender FIAT Bambino nur noch ein Schatten seines Originals, dem FIAT 500, dennoch hatte er einen Charakter, und sei es nur seine klassisch Italienische Reparaturanfälligkeit gewesen. Ebenso sein Nachfolger, der FIAT Panda, der erste große Wurf von Giorgio Giugiaro, voller quirliger Erfindungen, was die Nutzer-Freude eines Autos und dessen Nachhaltigkeit betrifft.

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FIAT hinterher zu trauern bedeutet, Italien hinterher zu trauern. Es hilft nichts; Das Auto der Zukunft kommt aus Kalifornien und atmet weder Benzin noch Diesel. Mit dem Ende von FIAT haucht eine ganze Generation von Automobil Geschichte seinen letzten Atem aus.

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