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Reiseverunsicherung

Ein Flug buchen im Internet müsste eigentlich eine der zeitgemäßesten Handlungen sein, die man verrichten kann: Schnell, transparent, günstig – alle Vorteile des Internets gleichermaßen ausschöpfend. In Wahrheit ist es nur erschöpfend: Das Vergleichsportal, welches die Vergleichsportale vergleicht, leitet einen weiter an einen nie gehörten Anbieter, in dessen Namen mindestens ein Doppel-o vorkommen muss und dessen Angebot in 10 Minuten endet, weil sich in genau dieser Sekunde 295 Leute dafür interessieren aber nur noch <9 Plätze verfügbar sind, obwohl der Flug erst in 2 Monaten stattfindet.

Kommt dazu die magische Preis-Gestaltung: Die einen Anbieter locken mit einem günstigen Preis, weil sie die Gebühren erst am Schluss, kurz vor dem Bezahlen, draufschlagen, die anderen, weil sie das Gepäck weglassen und als großzügiges Online-Sonderangebot wieder drauf schlagen. Aus allem, was für eine Reise selbstverständlich ist, wird ein Zusatz-Geschäft gemacht; sogar das Ausstellen eines Tickets wird als „Superior Service“ extra in Rechnung gestellt. Sie wollen sich bei Start und Landung anschnallen? Für nur 3€ pro Anschnall-Vorgang können Sie das gerne tun, wenn sie diesen Zusatz-Service in den nächsten 30 Sekunden buchen.

Kommt dazu die magische Preis-Entwicklung: Es ist ja nicht nur so, dass Du die Flugangebote beobachtest. Sie beobachten genauso Dich. Und schwupp kostet der Flug mal 100€ mehr, nur darum, weil Du dich dafür interessierst. Man stelle sich mal vor, das wäre überall so: Ich steh bei Kaisers (ok, Kaisers gibt’s nicht mehr: dann eben bei REWE) an der Kasse mit meinem Kilo Kartoffeln, die deutlich mit einem Preisschild von 2.50€ angeschrieben sind. Und weil die Kassiererin anhand meines Anstehens an der Kasse untrüglich erkennt, dass ich mich für diese Kartoffeln interessiere, kosten diese, wenn ich endlich an der Reihe bin, 3.50€. Würde sich das irgendjemand gefallen lassen? Sicherlich nicht. Aber bei wem soll man sich im Internet beschweren? Beim allmächtigen Algorithmus vielleicht?

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Nachruf auf den freundlichen Innova-Mann

Inno_JobsÜber zwei Jahre Lang habe ich diesen Blog nicht betreten. Der digitale Wandel, so schien mir, war so normal geworden, dass es sich so wenig lohnt, darüber zu schreiben, wie es sich lohnen würde, darüber zu schreiben, dass im Frühling die Bäume blühen und die Tage wieder länger werden.

Doch der Innova Mann ändert alles. Er hat seinen Job verloren. Wegen mir. Wegen uns. Wir haben unsere Wohnung neu eingerichtet und uns von ihm beraten lassen. Gut beraten lassen. Nicht nur einmal. Und dann haben wir im Internet gekauft. Homo Oeconomicus, Familia Oekonomica. Und nun ist er weg. Der Mann. Der Innova. Und zwar nicht nur der bei uns ums Eck. Sondern die ganze Institution, die uns 30 Jahre lang beharrlich am Radio genervt und gerade darum irgendwie zu unserem Leben gehört hat.

Lieber Innova Mann. Ich weiss nicht viel von Dir. Nur dass Du alle Waschmaschinenmodelle auswendig kanntest und dass Du auch nach Feierabend noch freundlich warst. Und dass Du zwei Kinder hast, die zu Hause auf Dich warten. Ich hoffe, Du hast einen neuen Job gefunden.

Nachruf auf Innova

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Bis ans Ende der Welt

Wiliam Hurt Bis ans Ende der Welt

Düsseldorf-Berlin. Ich rase durch die Nacht. Viereinhalb Stunden, das ist genau die Zeit, die der Film „Bis ans Ende der Welt“ von Wim Wenders braucht, um ebendahin zu gelangen. Der Film, der zur Berlinale 2015 zum ersten Mal öffentlich in der Directors Cut Version gezeigt wird ist selber eine Reise bis ans Ende, bis ans Ende des Sitzleders, bis ans Ende des Popkorn-Eimers und des ins Kino geschmuggelten Biers, bis ans Ende der Dauer, die man die Augen offen halten kann. Lang ja, zu lang nein. Bei 287 Minuten versinkt man selber nicht nur im Sessel sondern auch im Film, der einen auf eine unfassbare Reise nimmt, wenn man bedenkt, wann er gedreht wurde: 1991 – kein Mensch hatte ein Handy, aber die Menschen im Film haben alle iPads! Die SMS war noch nicht erfunden, aber im Film skypen sich die Charaktere zusammen – schalten sich zu Videokonferenzen zusammen aus allen Kontinenten – ja Solveig Dommartin (im Himmel über Berlin nur Trapezkünstlerin, hier aber in der Hauptrolle) schaltet sich sogar aus dem Weltall zu. Wim Wenders tritt zum Ende des Filmes auf die Bühne. Selber etwas genervt darüber, dass es wegen der 20-Minütigen Pinkelpause so spät geworden ist, beantwortet er die Frage über die prophetischen Elemente des Films lapidar mit: Ach, ich dachte, das wäre nett, wenn die Leute sich beim Telefonieren auch sehen könnten. Heute ist das Bild der in sich rsp. ihre Geräte versunkenen Menschen in jeder U-Bahn alltäglich. Offensichtlich hat Wenders eine noch schnellere Entwicklung vorausgesehen – spielt sein Film doch am Übergang vom Jahr 1999 zum Jahr 2000.

Wenders hoch
Berlinale 2015 Wim Wenders

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weiß = weiblich?

iPhone weissDas neue iPhone ist da! Ausgewählt hab ich als Cover-Farbe Silber, doch oh Schreck, auf der Innenseite ist das Ding WEISS! Nun habe ich einen existenziellen Konflikt und frage drum Dich, lieber Leser, liebe Leserin: Ist weiß=weiblich? Und wenn ja: zu weiblich für einen Mann?

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one second of fame

Das Absetzen, Absondern (auch bekannt als Posten) eines Kommentars (zu was auch immer) auf Facebook, Twitter (oder wo auch immer) soll das Belohnungszentrum im Hirn in ähnlicher Weise stimulieren wie Sex. Wir sollten uns also die Frage stellen, warum wir das 10x am Tag tun und in aller (oder für alle) Öffentlichkeit.

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Terra

1TB

Terra
(Italienisch, Erde, die, Durchmesser 12’700km, Umfang 40’000km, vor ca, 4’600’000’000 Jahren entstanden, Ursache vermutlich Urknall). Meine Frau hat eine Festplatte gekauft. Sie ist so groß wie eine Zigarettenschachtel (die Festplatte) und hat eine Speicherkapazität von 1Terrabyte.

1TB
steht hinten drauf neben „Made in China“ und dem „Bitte nicht im Hausmüll entsorgen“ Zeichen. Nicht sehr aufregend. Und dennoch eine Revolution. Zumindest für jemanden, der mit Floppi-Disks groß geworden ist und beim Händi die alten sms löschen musste, um wieder Platz für die neuen zu haben. Bislang hatte ich nur von Menschen gehört die eine Terrabyte-große Festplatte besassen, die Leute waren Freaks oder Profis und die Festplatten groß wie eine Videokassette mit einer eigenen Stromversorgung und einem heulenden Lüftungssystem. Meine Frau und ich sind weder Freaks noch Profis und ich frage mich: Wer braucht all den Speicherplatz? Aber zugegeben, das habe ich mich beim ersten iPod auch schon gefragt (wer braucht schon Platz für 100 Schallplatten) und dann wieder bei meinem 17Gigebyte iPhone (dessen Speicherplatz nun tatsächlich erschöpft ist).

unfassbar
Das Terrabyte ist für mich unfassbar. Drum muss ich mir wieder die Floppi Disk zu Hilfe nehmen – das letzte (be)greifbare Speichermedium. Sie hatte 1,2 Megabytes (1000 Bytes sind ein Kilobyte und tausend davon sind ein Megabyte. Das Megabyte ist aber nicht (mehr) der Rede wert, denn jedes „Schau mal wie süss meine Katze heut auf dem Rücken liegt Handy Foto“ braucht mehr Speicherplatz). Das Gigabyte entspricht 1000 Megabyte, unnötig zu sagen, dass auch ein 1GB Speichermedium einmal eine Sensation gewesen sein muss. Und das Terrabyte ruft „Immer 1000x mehr wie du!“ – 1’000’000’000’000 Bytes oder eben ca. 1 Million Floppi-Disks. Bei einer Floppi-Disk-Dicke von 3mm macht das einen Floppi-Disk-Stapel von 3Millionen Millimetern – das sind 3’000Meter! – also ziemlich genau die Höhe des Matterhorns ab Zermatt gemessen. Ich hoffe, ich hab mich nicht verrechnet und frag mich, wann der erste mit einem Petabyte-Memorystick um die Ecke kommt.

Moore
2008 habe ich zum ersten mal vom Mooreschen Gesetz gehört. Es bildet „eine wesentliche Grundlage der Digitalen Revolution“ und besagt lapidar ausgedrückt, dass alle 1 bis 2 Jahre
a) sich die Größe des Speicherplatzes verdoppelt, die man zu demselben Preis erwerben kann
b) sich der Platz, den der Speicherplatz benötigt, halbiert
Mal zurückrechnen: Heute kostet 1TB 70€, dann hätte man 2008 für dasselbe Geld eine Festplatte mit 7 bis 14GB bekommen – könnte hinhauen.
Die Terrabyte Festplatte meiner Frau ist gelebtes Mooresches Gesetz. q.e.d.

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Je suis Conradin

Mit dem Feuer auf die Journalisten eröffneten am 7. Januar 2015 zwei verwirrte Menschen eine Diskussion von einer Dimension, die sie sich nie hätten träumen lassen. Allerdings hatten die beiden bestimmt auch weder beabsichtigt noch geahnt, in welche Richtung diese Diskussion gehen würde. Das Thema ist nämlich kein geringeres als die Frage „wem gehört die Welt“ – dazu hätten die beiden noch eine klare Antwort gehabt. Da sich diese Frage in einer zunehmend globalisierten Welt (was für ein blöder Pleonasmus: als ob eine Welt, die nur aus einer Welt besteht nicht globalisiert sein könnte) nicht mehr stellt, ist das Thema: „Wie leben wir auf dieser Welt zusammen?“.

Mehr als Charlie
Dem Sturm auf die Redaktion folgte ein Sturm des Entsetzens folgte ein Sturm der Empörung. Und da keiner wusste, wie er seiner Wut und Verzweiflung Ausdruck verleihen könnte, waren plötzlich alle Charlie. Gäbe es bei Facebook einen Dislike-Button, ich bin mir sicher, viele hätten es gereicht, diesen zu drücken, um ihrem Unbehagen Ausdruck zu verleihen.

Open Source Dschihad
Immerhin zwingen einen die aktuellen Ereignisse geradezu, sich mit Dingen zu beschäftigen, die man gerne verdrängt und weit von sich schiebt: Was ist eigentlich der Islam, diese zweitgrößte – und vergleichsweise junge – Religion der Welt, wo ist der Unterschied zwischen Islam und Islamismus, zwischen al-Quaida und ISIS (nein, nicht die ägyptische Göttin), was ist das Ziel des „heiligen Kriegs“ Dschihad?
Das perfideste Wort in der gesamten Berichterstattung ist der „Open Source Dschihad“, laut Tagesspiegelartikel definiert als „Dschihad der individuell geplanten Nadelstiche anstatt komplexer, lange und gemeinsam geplanter Attentate“. Der Begriff „Open Source“ steht für eine, durch das Internet ermöglichte Zusammenarbeit der Menschen zur gemeinsamen zur Lösung von Problemen. Es ist einerseits zynisch andererseits auch unausweichlich, dass sich das System auch darauf anwenden lässt, destruktive Ziele wie den „universellen Kampf gegen Andersgläubige“ zu lösen.

Je suis Conradin
Zurück zu den beiden Attentätern und was sie ausgelöst haben. Sie haben, wenn auch unbeabsichtigt, bei Millionen von Menschen das Bewusstsein geschärft, dass wir alle, wenn schon nicht Charlie (es wäre anmaßend zu behaupten, dass wir alle gut zeichnen und gut Witze erzählen können) so doch Menschen sind, egal woher wir kommen und woran wir glauben. Als in Deutschland lebender Schweizer Österreichischer Herkunft lässt mich das aufatmen.

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Happy New Media!

Zu keinem Zeitpunkt im Jahr ist so augenscheinlich, wie stark die Sozialen Medien schon in unserem Sozialen Leben verankert sind wie in der Silvesternacht. Und ich frage mich, ob die allgegenwärtigen Klug-Telephone nun eine Ablenkung von den „wirklichen sozialen Kontakten“ darstellen, sprich von der Gesellschaft, in der man sich gerade befindet, oder ob sie eine fast schon natürliche Erweiterung dieser Gesellschaft sind. Der Kontakt zu den Freunden am anderen Ende der Welt oder zumindest der Nation beschränkt sich nicht mehr nur, wie noch vor wenigen Jahren, auf einen das Telefonnetz in die Knie zwingenden SMS Austausch um Mitternacht. Die Freunde und Familienmitlieder sind über facebook und Whatsapp in Echtzeit zugeschaltet und eingebunden, egal, wo sie sich gerade befinden. In den späten 80er Jahren haben wir in Berlin damit experimentiert, zwei Parties über eine Telefonleitung (!) miteinander zu verbinden – heute feiert die ganze Welt zusammen, und wenn man mindestens in jeder Zeitzone einen Freund hat, kann man auch 24x anstoßen.

KatrinKatjaSonnenbergSmartphones

Bild: Katrin und Katja Sonnenberg (Weihnachen 2014)

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Buddhify

Arianna Huffington

Bild: Tagesspiegel

In „Die Neuerfindung des Erfolgs“ beschreibt Arianna Huffington, Gründerin und Chefredakteurin des gleichnamigen Mega-Blogs, wie man trotz allen Ablenkungen durch die (Sozialen) Medien (wieder) den direkten Zugang zu sich selber und den anderen Menschen findet. Meine Frau hat mir das Buch zu Nikolaus geschenkt, weil sie der Meinung ist, dass ich bereits merklich vom Internet-Virus befallen bin und mehr vor der Kiste sitze (wie grad jetzt im Moment) als im wahren Leben steh.

Nicht nur die drei Begriffe „Wohlbefinden, Staunen und Großzügigkeit“ auf der Titelseite erscheinen, als hätten sie durch einen Shuffle-Generator zusammengefunden, das Buch ist eine abenteuerliche Zusammenstellung von allem, was wir schon mal irgendwo in einem anderen Kontext gelesen haben: von Carl Gustav Jung bis Heinrich Heine, von Allah bis Zen angereichert durch persönliche Erfahrungen der Autorin mit ihrer heiligen griechischen Mama und anderen Heiligen. Erstaunlich an dem Buch sind also nicht die Inhalte sondern wer es geschrieben hat: Die Chefredakteurin einer der weltweit erfolgreichsten Online-Zeitungen schreibt intensiv gegen die Digitalen Medien an, die aus nichts bestehen „außer immer denselben Diskussionen und Ansichten, die von unterschiedlichen Leuten endlos wiederholt werden“ (S. 191)!

Nach einer Dekade von „Wie werd ich erfolgreich“ Büchern scheint nun die Dekade der „Scheiss auf den Erfolg – Lebe!“ Bücher angebrochen zu sein. Die Frage ist nur, wie glaubwürdig ein „Finde mehr Ruhe“ Buch von einer Autorin sein kann, die auf jeder Seite vollmundig mit Ihren Erfolgen prahlt: Sie hat nicht nur die Huff Post gegründet (deren MitarbeiterInnen aus sozialen Gründen volle drei Wochen Urlaub haben!), nein, sie hat auch noch 14 (!) Bücher geschrieben (von vergleichender Religionswissenschaft bis Picasso-Biographie) und selbstverständlich zieht sie auch noch die beiden besten Töchter der Welt groß, um die sie sich kümmert, als würde es all die anderen Projekte in ihrem Leben gar nicht geben. Dass das Foto der Autorin im Buchumschlag wie der in Botox gemeisselte amerikanische Traum aussieht, rundet das Bild ab.

Nachdem es also bislang genügte, erfolgreich zu sein, um erfolgreich zu sein, muss man jetzt neben total erfolgreich auch noch total entspannt sein: Für mich klingt das nach Stress im Quadrat auch wenn die Gleichung auf dem Buchumschlag ganz lapidar klingt:
Weisheit + Staunen + Grosszügigkeit = Wohlbefinden.

Im Anhang des Buches befindet sich im Übrigen eine ganze Liste von Tools, die einem helfen sollen, schneller zu sich selber zu finden, wie zum Beispiel die Apps „Buddhify“ oder „calm.com“ – die helfen ganz bestimmt, nicht mehr so häufig auf das Smartphone zu starren.

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Der kürzeste Tag

Inter-Aktion
Mein „Blogging for Dummies“ Buch hat gesagt, ich muss mit meinen Blog-LeserInnen interagieren, damit es überhaupt ein Blog ist. Das hab ich zuerst mit offenen Fragen an meine Leser versucht – und als das nicht funktioniert hat mit einer Umfrage, bestehend aus acht geschlossenen Fragen, so geschlossen, dass nicht einmal zwischen ja und nein entschieden werden musste, nur zwischen ja und gar nichts und das ja musste nicht einmal geschrieben werden – ein Häckchen hätte genügt.

1-9-90
Das Ergebnis? Ein Kommentar (danke, Nina), eine Einwort-Antwort, und drei Menschen haben sieben Häckchen gesetzt (auch Euch vielen Dank). Die Eins-Neun-Neunzig-Regel im Internet ist mir bestens bekannt: Der eine wäre in diesem Fall ich, die neun wären in diesem Fall die drei Personen, die kommentiert oder „ja“ geklickt haben und die 90 wären dann die ca. 30 Besucher meines Blogs seit Veröffentlichung der Umfrage.

Das Welt Weit Wunder
Immerhin das Eine hat mir die Umfrage klar gemacht: Diese ganzen Blog-Aufrufe aus Argentinien, Indonesien, Trinidad, Tobago und Taiwan sind nichts als ein digitales Rauschen, weder wert, dass ich mich darüber freu, noch, dass ich mich darüber ärger, noch, dass ich mich damit beschäftige.

Autoren und Autisten
Was mich nach diesem Umfrage-Experiment zunehmend nervt sind zwei Dinge:
a) Zum einen, dass die VerfasserInnen von Texten durch die schiere Anwesenheit von einer fiesen im Hintergrund gierig ihre Tentakel ausstreckenden Datenkrake gezwungen werden, sich mit Statistiken zu ihrem Blog zu beschäftigen. Und das, wo Autoren in der Regel alles andere als Statistiker sind.
b) Zum anderen nervt mich die Aussage, dass ein Blog nur ein Blog sei, wenn der Autor mit seinen LeserInnen interagiert. Was für ein Quatsch! Fallada saß autistisch in seinem Mecklenburger Häuschen am See und hat diszipliniert jeden Tag geschrieben. Hätte er auch noch jeden Tag die Kommentare seiner Leserinnen beantworten müssen, er hätte sich vermutlich auf der Stelle ersäuft. Autoren sind oft Autisten und in der Abgeschiedenheit des Autismus entstehen oft die schönsten Dinge – würde die Muschel bei der Produktion ständig quatschen würd aus der Perle auch nie etwas werden. Ich denk, dass vielmehr die Umkehr der Regel gilt: Wenn ein Blog per Definition dem allgemeinen Geschwätz ausgesetzt werden muss, dann ist es kein Blog mehr, dann ist es Facebook oder Whatsapp oder Whatauchimmer.

Der langen Rede kurzer Sinn
Der Ausflug in die statistischen Hinter- und Abgründe meines Blogs war das lust- und freudloseste Erlebnis seitdem ich diesen Blog schreibe, ja seitdem ich überhaupt schreibe. Was nun? Beleidigt aufgeben? Blödsinn: Ich schreib schon deutlich länger, als es Blogs überhaupt gibt. Und ich werde das auch weiterhin tun. Wer das lesen möchte, bittesehr. Und, lieber Leser, ich werd auch Dein Leseverhalten nicht mehr träcken, versprochen, und ich werd Dich auch nie wieder fragen, ob Du da bist.