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Fuck off Henry

Die Geschichte einer Frau, die Ihrem Krebs den Namen Henry gibt und gegen ihn anschreibt. Ein Blog, der für sie selber und für viele andere SINN stiftet. Da fehlen mir (ausnahmsweise) die Worte:
fuck-off-henry.de

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Der Akt des Anrufens

es wird ihn nicht mehr geben, den Akt des Anrufens. Wir werden erstaunt sein, darüber, dass es ihn jemals gab. Dass wir jemals ein Gerät zur Hand nahmen, eine Nummer wählten – ob mit Wählscheibe oder nicht ist dabei ganz egal. Wir werden einfach drauflosplaudern, wie’s grad kommt. „Kuck mal Bruder, was für ein cooles Auto“, wenn wir ein cooles Auto sehen und, „was isst denn Du heute zum Abendbrot, Mutter“, wenn einem gerade die Mutter in den Sinn kommt. Wir werden verbunden sein, alle mit allen, allzeit. Die Whats-App-Gruppe ist nur der Vorgeschmack darauf: „Schaut mal, ich hab heut mein Diplom zugesandt bekommen“ – und die ganze Familie sieht es. Die Schwierigkeit wird höchstens sein, dass die richtigen Leute die richtigen Informationen bekommen, denn vielleicht will man ja allen den neuen Freund digital vorstellen aber der eigenen Mutter nicht. Dazu wird man schon ein Weg finden, das Hirn so anzuzapfen, dass das Kommunikationsprogramm weiss, an welche Gruppe welche Inhalte kommuniziert werden müssen. Und wenn nicht. Irgendwann ist auch das egal. Jeder hat jederzeit seine im Stirnchakra verbaute Kamera an und jeder kann jederzeit kucken, was jedermann macht. Hans ist beim kacken, langweilig, da schau ich doch lieber bei Susi rein, die kocht grad was Interessantes. Und natürlich lässt sich das ganze auch auf Gedanken ausweiten. Wie schön, Paul hat grad an mich gedacht oder Franzi träumt gerade einen niedlichen Traum.

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unerhört

Der Junge Mann
ich schwärme gerade davon, dass ich die Whats-App Gruppen-Chat Funktion entdeckt habe und diese ein ganz neues Familien-Zusammengehörigkeitsgefühl ermöglicht: Live-Berichterstattung von der Velotour, vom Frühstücks-Stüllchen über das Pilze-Suchen und das Baden im kalten See bis zu Rehrücken am Abend. Die Familie ist quasi dabei auch wenn sie über die ganze Republik oder sogar über die ganze Welt verteilt ist.
Der junge Mann belehrt mich darüber, dass die Whats-App-App sich über die Allgemeine Geschäftsbedingungen nicht nur das Recht zur Verbreitung der Fotos und Texte sichert (wie die Presse die Empörung glaubwürdig dämpft, braucht sie dieses ja auch, um die Fotos und Texte an die Empfänger versenden zu können) sondern auch das Recht, Ton- und Bild-Aufnahmen über Dein Smartphone machen zu dürfen. Natürlich kann man auch hier argumentieren, dass diese Funktion nötig ist, damit Whats-App Deinen gemurmelten Kommentar zum Frühstücks-Ei aufnehmen und an die Freunde versenden kann, aber was, wenn Whats-App beginnen sollte eigenwillig Ton- und Bild-Materialien aufzunehmen? Damit läge der Feind, der alles mithört mitten auf Deinem Küchentisch – der Traum jedes Stasi-Mitarbeiters – die absolute Überwachung in bester Tonqualität und das ganz ohne aufwändige Verwanzung von Wohnungen.

Der alte Mann
selbentags unterhalte ich mich mit einem etwas älterer Mann über die Entwicklung von Europa. Er ist Schweizer und überzeugt, dass der Euro ganz Europa in den Abgrund reissen wird, weil die (Erfolg-)Reichen Staaten für den Bankrott der Bündnispartner bezahlen müssen und selbst daran zugrunde gehen werden. Zudem denkt er, dass „in 50 Jahren auf unseren Plätzen wieder öffentliche Hinrichtungen stattfinden“, weil Europa muslimisch dominiert sein wird, wie das schon in der Vergangenheit der Fall war.

Traum und Albtraum
Die beiden Gespräche haben nichts miteinander zu tun und doch ergeben sie, wenn man deren Inhalte miteinander verknüpft ein gespenstisches Szenario: Wir Europäer lernen gerade von den Amerikanern das „Prinzip Offenheit“ zu leben, akzeptieren jede AGB von Facebook bis Whats-App ohne hinzukucken, geben diesen Diensten die Berechtigung unseren Standort, unsere Bilder und Töne zu benutzen – und dann kommt die IS-Herrschaft, eine immer größer werdende Truppe von Menschen mit einer militant mittelalterlichen Weltanschauung, die zur Verbreitung derselben modernste Technik verwendet. Lass den „Islamischen Staat“ die Herrschaft über Facebook und Whats-App bekommen und das Horrorszenario ist perfekt.

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Ent-Scheidung

Ein Traum. Aufgrund der Überbevölkerung oder vielleicht mit der Absicht die Gesellschaft (z.B. in arm und reich, intellektuell und arbeitend) zu trennen, wird die Welt in verschiedene digitale Ebenen eingeteilt, die parallel stattfinden, auf derselben Welt, sich aber nicht treffen.
Durch einen Systemfehler kommt es aber zu einer Kollision der beiden Welten, was einen Massenunfall und eine kollabierte Autobahnbrücken zur Folge hat.
Ich geh durch die zerstörte Landschaft und staune, weil ich zum ersten mal sehe, wie dieselbe Welt von den Bewohnern der andren Layer benutzt wird. Ich seh überall verletzte Menschen des anderen Layers rumliegen, die Hilfe benötigen. Es sind aber ganz andere Menschen, eher wie Robotter (ich erkenne Eva aus Wall-E), und ich weiss nicht, welche Art von Hilfe sie benötigen, Blut fliesst offensichtlich nicht in ihnen. Ich frage einen Jungen Mann, der verletzt ist und am Boden liegt, was er denn brauche. Er haucht mir drei Dinge ins Ohr: Wasser, Salz und noch etwas – ich eile los und schreib mir die Dinge in mein iPhone aus Angst, sie in der Aufregung zu vergessen. Ich komme zu einem Shopping-Center, immer noch im anderen Layer, es sieht gigantisch aus – ich mach trotz der Aufregung ein Foto und denke, das muss ich den Leuten in meinem Layer senden und frage mich, ob wohl facebook noch funktioniert, wenn die Ebenen kollabiert sind.
Im Supermarkt weiss man von der Katastrophe (noch) nichts – die sich offensichtlich nur lokal bei dieser Autobahnbrücke abgespielt hat und man versteht auch meine Aufregung nichts. Ich will wohl aus dem Supermarkt fliehen (vielleicht, weil ich die Dinge im anderen Layer sowieso nicht bezahlen hätte können – wie auch), ein Polizist am Hinterausgang will mich daran hindern. Da seh ich, wie hinter ihm eine ganze Reihe von futuristischen Fahrzeugen angerast kommen, die selbst ihn in Erstaunen versetzen; offensichtlich kommen sie auch nicht aus seinem Layer. Der Gedanke liegt also nah, dass die Welt nicht nur in zwei, sondern in drei oder in unendlich viele parallele Ebenen aufgeteilt wurde – prallen sie aus einem technischen Defekt alle aufeinander ist die Katastrophe perfekt.

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Herrmann

Herrmann ist 79. Er kommt aus Basel. Er war dort Lehrer an der Rudolf Steiner Schule. Er hat seine Arbeit sicherlich sehr gewissenhaft gemacht, vielleicht vierzig Jahre lang. Und jetzt das. Kaum ist Herrmann raus aus dem Berufsleben, schwappt diese Welle über die Jugend herein, die er zeitlebens versucht hat zu guten Menschen zu erziehen. Von Spielzeug mit Batterien, Robottern mit blinkenden Augen und sprechenden Barbie-Puppen hat er sie erfolgreich ferngehalten, zugunsten von Bauklötzen aus lokalem Eichenholz, Neocolor und umweltschonend gebleichtem Papier. Und nun sieht er sie aus den Schulen strömen, in der Tram sitzen, von der Welt abgeschieden mit bunten Kopfhörern, in ihre Geräte starrend. Herrmann will etwas dagegen tun. Er zieht sich zurück. Wir treffen Ihn in einer Dachkammer eines Hauses eines namenlosen Dorfes in Brandenburg. Dort denkt er darüber nach, wie er die Welt retten kann, vor einem Phänomen, das er selber nie kennengelernt hat.