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Die dritte Welt

In meiner Kindheit, ja auch noch in meiner Jugend, war es mir unvorstellbar, dass diese, unsere reale Welt eines Tages ein komplettes Digitales Abbild bekommen würde.

Unterdessen ist inexistent, was im Netz nicht abgebildet ist. Ich seh die gemütliche Kneipe vor meiner Nase nicht mehr, geh achtlos an ihr vorbei, weil mir irgendeine Äpp eine gemütliche Kneipe in 261m rechts anzeigt. Auch die Wahrsagerin im Dorf oder der Familientherapeut in der kleinen Stadt existiert nur, wenn sie oder er zumindest eine Homepage hat; die „Haus-Seite“ ist auch hier realer als das in Backstein gebaute Haus. Selbst Freud hätte in der heutigen Zeit vermutlich keinen einzigen Patienten ohne seine Homepage: Freud.at

In dem Moment, wo ich akzeptiert habe, dass es ein 1:1 Abbild der Welt im Internet gibt, eine zweite, Digitale Schicht, die über allem liegt, frage ich mich natürlich, was denn die dritte Welt sein wird, das Abbild vom Abbild. Dazu fehlt mir – momentan noch – die Vorstellungskraft.

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Verabschiedung

Immer häufiger höre ich als Verabschiedung nach einem guten Gespräch neben „Mach’s gut“ oder „Grüß Deine Frau“ die Formel „Ich schick Dir den Link“.

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spurlos

Verschwinden ist unmöglich geworden, so denkt man wenigstens. In einer etwas nerdigen Konferenz höre ich die Meinung, dass uns nur noch gezielte Desinformation vor der totalen Überwachung retten kann; der Redner rät dazu, möglichst viele SIM-Karten auf den eigenen Namen zu kaufen, und diese auf der ganzen Welt zu verteilen, damit keiner mehr weiss, wo wir wirklich sind.

Seit einigen Tagen hält uns der Flug MH370 in Atem, der auf seinem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden ist. Nicht einfach eine e-mail, die in einem Meer von e-mails nicht mehr zu finden ist, ein reales Flugzeug mit insgesamt 239 Menschen an Bord. Es ist mit keinem Ortungsgerät der Welt zu finden, mit keinem noch so präzisen Satelliten. Dass das Verschwinden doch noch möglich ist, erscheint uns ebenso erschreckend wie das Gegenteil.

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links rum oder rechts rum

links rum
Im Mittelalter haben Kirche und Staat das Denken der Menschen dominiert, in dem sie ihnen vorgeschrieben haben, was diese zu denken haben. Das machte die Menschen steuer- und ihr Handeln vorhersehbar.

dazwischen
es ist eine gigantische Errungenschaft, dass der Mensch lernte, frei zu denken, und der Staat, ihn nicht dafür zu bestrafen.

rechts rum
über 200 Jahre später erscheint einigen dieses freie Denken doch etwas scary; jetzt schreibt uns keine Kirche und keine Staat vor, was wir zu denken haben, aber unser Denken wird auf Schritt und Klick getracked. Und so werden wir dann doch wieder vorhersehbar. Beruhigend.

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sehr häufig

Sind Sie internetsüchtig? Der Test stammt von Dr. Kay Uwe Petersen, Universitätsklinikum Tübingen: Beantworten Sie die Fragen bezüglich Ihres Internet-Konsums auf einer fünfstufigen Skala von 0 (nie) bis 4 (sehr häufig), kommen Sie auf mehr als 24 Punkte oder mehr, sollten Sie Expertenrat suchen. Ich komme auf 36 Punkte. Die Telefonnummer für das Deutsche Zentrum für Suchtfragen ist die 040 74 10 593 07. Ich werde nicht anrufen. Trotz meiner 36 Punkten fühle ich mich, was meinen Internet-Konsum angeht nicht übertrieben sondern zurückgeblieben, so ganz ohne Tumblr- und Instagram-Profil, und Geisterstadt-ähnlich verwaisten Pinterest-, Flickr- und Twitter-Accounts. Ich bin also noch auf dem Weg hinein in den Moloch, währenddem die ersten (natürlich wieder die Kalifornier) schon wieder hinausdrängen. So berichtet die Titelgeschichte der aktuellen Stern-Ausgabe, Nr.10, 27.2.2014. Ich lese die Papier-Ausgabe des Magazins im Bett meines Hotelzimmers an der Nordsee: Noch bin ich kein hoffnungsloser Fall.