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Die Freuden des digitalen Immigranten

Ich bin es leid, über die Leiden des digitalen Immigranten zu schreiben. Ja, ich habe ein Problem damit, wenn alle sechs Monate ein Betriebssystem-Update herauskommt, an das sich mein ab 1970 programmiertes Hirn gewöhnen soll. Ich will aber in Zukunft auch vermehrt über die neuen Freuden und Freiheiten schreiben, die mir das digitale Zeitalter beschert: Diese Woche ist beispielsweise das Berliner Startup Carzapp mit ihrem Carsharing-Dienst an den Start gegangen und erweitert die sowieso schon enorme Flotte der mir zur Verfügung stehender Autos in der Stadt noch einmal – Bhagwan würde erblassen vor Neid.

Und: Vor mir auf dem Tisch liegt (m)eine Auswahl der 58mm Limited Edition der Schweizer Taschenmesser von Victorinox. Entstanden sind die Designs nicht hinter verschlossenen Mauern in einem Kämmerlein des Traditionsunternehmens im Örtchen Ibach in den Schweizer Voralpen. Entstanden sind sie in zwei internationalen „Crowdstorms“ auf der kreativen Crowdstourcing Plattform jovoto, bei denen tausende von Kreativen aus über sechzig Ländern der Welt teilgenommen haben und selber darüber abgestimmt haben, welche Taschenmesser hergestellt werden sollen. Mag der Begriff Prosument ansonsten abstrakt erscheinen; hier kann man die von ihm geschaffenen Produkte ansehen und anfassen.

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Die Messer der 2012er und der 2013er Edition sind weltweit erfolgreich auf dem Markt. Der Crowdstorm für 2014er Edition beginnt in drei Tagen, am 30.10.2013.

Und wenn das hier wie ein Werbetext klingt, dann nicht, weil es ein Werbetext ist (sonst würd‘ ich ihn in einem Medium veröffentlichen, das auch Leser hat) sondern weil ich mich im Stillen freue, als digital Immigrant (und als Schweizer) Teil dieser wundersamen Entwicklung zu sein.

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In dubio pro techno

Ich bin modern. Ich nutze Webex, um eine Videokonferenz mit meinem Kunden in 1000km Entfernung abzuhalten. Ich bin modern. Ich nutze das allerneueste MacBook Air, um das zu tun. Und plötzlich ist es wieder da. Das Gefühl, dass ich total von Vorgestern bin; Ich kann den Kunden zwar sehen, schaffe es aber trotz immer panischerem Rumfuchteln in allen zur Verfügung stehenden Popups und Systemeinstellungen nicht, meine Kamera zu aktivieren. Das moderne ich bleibt also dem Kunden verborgen, und da ist es wieder, das Gefühl, dass auch mein Kunde denken muss, dass ich von Vorgestern bin. Aber heute geb ich nicht auf. Heute gehe ich der Sache auf den Grund. Frag den einen Kollegen, dann den zweiten und dritten. Und als mir auch die nicht weiterhelfen können, rufe ich die Cisco-Götter an, und siehe da: Das Problem ist ihnen bekannt. Sie arbeiten dran. – Hat Ihnen diese Antwort weitergeholfen? Nein, verdammt: Erstens hat sie mein Problem nicht gelöst und zweitens ist sowohl mein Selbstwertgefühl als auch mein (sprichwörtliches) Ansehen unwiederruflich beschädigt.

Webex Problem

Die Frage stellt sich mir im Umgang mit der modernen Technik immer wieder: Wenn der Scanner am Flughafen mein E-Ticket nicht erkennt, bin ich zu doof oder der Scanner zu kurzsichtig? Wenn das Navi mich in eine Sackgasse führt, wer ist dann schuld, das Navi, oder ich, weil ich mich stumpf auf das Navi verlass? – In 9 von 10 Fällen gewinnt die Technik – und meine jüngeren MitarbeiterInnen zeigen mir mit einem Lächeln, was ich wieder falsch gemacht habe – dieses eine mal gewinne ich. Umso inbrünstiger ruf ich den Programier-Göttern zu: Macht Eure Hausaufgaben!

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SAAB

1974
Die Familie des Ingenieurs hat ein Haus in Modulbauweise (in Deutschland würde man dazu Plattenbau sagen) und einen SAAB 90, um in dem biederen Schweizer Dörfchen Fortschrittlichkeit zu demonstrieren.
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1988
Die Kids der Redwood High School mieten sich vorzugsweise ein SAAB Cabrio, um (im ebenfalls geliehenen Tuxedo)  zu ihrer Prom Party zu fahren.

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2013
Ich leihe mir über die Carsharingplattform Autonetzer einen alten SAAB.
Ich zu meiner Frau: Ich muss noch den SAAB zurückbringen.
Sie: Den WAS?

Abgesang auf eine Schwedische Kult-Marke, die 1947 gegründet wurde, 2011 Insolvenz anmelden musste und 1914 – mit Geld aus China und Japanwiederauferstehen soll.

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Scheiß Internet

Selbstversuch: Schaff ich es, ohne in Hundekot zu treten von der U-Bahn Station (am Kotti) bis zur Arbeit (im Betahaus) zu kommen und dabei den kompletten Mail-Eingang zu checken?

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Mensch, Du kannst ja sprechen!

Ein weiteres mal zum ersten mal.
Heute: Mein Blog kann sprechen.
Und: Mein erstes File auf Soundcloud
(wo sich WordPress und Youtube so gegen Soundfiles sperren)

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on air –> on line

Ich könnte meinen Blog auch unter den banalen Titel „zum ersten mal“ stellen. Die digitale Entwicklung (ob’s ein Fortschritt ist, bleibt noch abzuwarten) erlaubt es uns auch als erwachsene Menschen noch fast täglich, etwas Neues zu erleben, wenn wir denn darauf achten.

Heute zum Beispiel höre ich zum ersten mal auf dem Weg zur Arbeit ONLINE Radio. Der Übergang von der Generation Telefonier-nicht- zu-lang-denk-was-das-kostet zur Flachraten-Generation macht’s möglich. Vor nicht langer Zeit war Online Radio selbst zu Hause eine Sensation – Schweizer Radio mitten in Berlin – heute hör ich Karibik Lounge in der U1.

Tschüss Arno Müller. Tschüss Jochen Trus. Ob on air oder on line – Ihr seid raus.

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aus geschildert

Wenn wir an einem Ort sind, den wir selber kennen, verlassen wir uns  auf unsere eigene Orientierung. Wäre parallel das Navigationssystem aktiviert, könnten wir noch erkennen, wie es bisweilen absurde Wege zum Ziel auswählt. Normalerweise jedoch ist es umgekehrt: Wir sind an einem Ort, den wir nicht kennen und vertrauen blind dem Navi. Mehr aus Gewohnheit, vergleichen wir noch, ob das, was auf dem Straßenschild steht, mit dem übereinstimmt, was der Bildschirm uns zeigt und die freundliche Frau uns sagt, und sind immer wieder von neuem erfreut, dass es stimmt. In 200 Metern rechts in die Maaßentraße abbiegen, aha, da ist sie ja schon, die Maaßenstraße. Steht da, Weiß auf Blau auf einem Messingschild – aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Noch vor wenigen Jahren hatten nur Autos Navigationsgeräte, heute navigieren sich schon Heerscharen von Touristen mit ihren Smartphones durch fremde Städte und Alpinisten vertrauen darauf, dass das Gerät den richtigen Weg zwischen Gletscher und Geröllhalde findet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jeder Mensch ein Navi bei sich trägt und jederzeit weiss, wo er ist. – Das ist der Moment, in dem wir die Schilder abhängen können, die Autobahnschilder, die Ortsschilder, die Straßenschilder, alle.

Und die Straßen-Namen? Sind dann eigentlich auch nur noch unnötige Deko. Das Navi braucht sie nicht, um uns zum richtigen Ort zu bringen. Reicht, wenn ich Siri bitte, mich zu Paul zu bringen, und Siri führt mich zu Paul, blind. Zugegeben, wenn ich jemandem einen Ort beschreiben will, wird das schwierig, so ganz ohne Namen: Ich wohne 52° 29′ 53″ N , 13° 21′ 10″ O, komm mich doch mal besuchen, wenn Du in der Gegend bist. – Ah wie praktisch, ich wohn nicht weit weg in 52° 29′ 54″ N , 13° 21′ 11″ O.

Wenn man den Gedanken konsequent zu Ende denkt, sind gar keine Schilder mehr nötig, in dem Moment, wo jeder Mensch jede nötige Information digital und im richtigen Moment zugespielt bekommt. Dann braucht es auch keine Stop- oder Achtung- oder Wasauchimmer-Schilder mehr. Man stelle sich vor, wie radikal das vor allem die uns bekannten Stadt-Bilder verändern wird.