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auto-nomous

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Es sieht aus, wie die Kinderzeichnung eines Autos (und es gibt im ganzen Internet nur diese beiden Fotos davon). Warum eigentlich? Soll damit verniedlicht werden, was für eine unheimliche (Fort-)Entwicklung der „Autonomous Car“, das selbstfahrende Automobil, bedeutet? Unheimlich darum, weil mit diesem Auto-mobil (das eigentlich erst jetzt den Begriff auto-mobil d.h. selbständiges Mobil verdient) ein Jahrhundert zu Ende geht, bei dem wir dachten, dass wir, die Menschen das Steuer in der Hand haben, die Dinge lenken und abgelöst wird durch eine neue Zeit, in der die Maschinen die Welt lenken. Ich muss nur noch einsteigen und der Knutschkugel sagen, wo sie mich hinbringen muss. Sie wird es tun und zwar auf dem schnellsten Weg, Staus vermeidend und wenn ich will noch eine Sehenswürdigkeit auf dem Weg einbauend. Das Auto wird das Auto, was um die nächste Hausecke biegen wird, erkennen, bevor ich es als Mensch sehen kann und die Parklücke ansteuern, bevor diese frei wird. Dieses knuddelige Ding sagt uns nichts anderes als: Mensch, Du bist (ab sofort) überflüssig. Lehn Dich zurück, genieß die Fahrt, lies was und denk nicht weiter darüber nach.

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Zwei Leben

Mozart war in meinem Alter schon 8 Jahre tot, Alexander der Große sogar 11 Jahre, mein eigener Urgroßvater starb 1918 knapp dreissigjährig an der spanischen Grippe. Stirbt heute jemand mit dreissig Jahren, spricht man davon, dass er „früh aus dem Leben gerissen wurde“ und wir sind fassungslos. Dabei ist eigentlich unfassbar, wie lange wir heute leben. Noch habe ich kein Buch geschrieben, keine Firma gegründet, keine Million verdient und keine Familie gegründet, heisst, wäre ich mit 30 gestorben, ich hätte nichts geschaffen, ja ich hätte gerade einmal einen ersten, festen Job ergriffen gehabt. Verlangsamt die Aussicht auf ein langes Leben künstlich unsere Biographie? Wenn ich auf meine Jugend in der Schweiz der 80er Jahre zurückblicke, denke ich, ja, wir haben als 20-jährige nicht annähernd das bewegt, was man in dem Alter bewegen kann. Ich ahne, dass das auch mit einem falsch verstandenen „Respekt gegenüber dem Alter“ zu tun hatte – Professor ist man eben mit 50 und nicht mit 30. Schaue ich heute auf die Gründer-Generation, zeigt sich mir ein ganz anderes Bild: Die jungen Menschen „geben Vollgas“ wie sie das selber nennen, haben keine Schranken im Kopf, aquirieren Mitte 20 Millionen für ihre Unternehmen und sind selber mit Mitte 30 Investoren. Die Amadeusse und Alexanders sind also wieder zurück, nur dass sie eben nach 30 noch ein zweites – und vielleicht sogar noch ein drittes Leben vor sich haben.

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Das Schloss

Das Schloss

Der Hauptsitz des Porzellanherstellers Villeroy&Boch in Mettlach. Hier wird noch Hardware hergestellt. Und zwar seit 1748.

Foto: Jörn Hendrik Ast, Berlin

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Kontroll Verlust

Wenn ich am Telefon spreche, kann ich nicht korrigieren, was ich gesagt habe. Bei der E-mail ist es anders: Wie lange sitze ich oft an einer E-mail, feile hier und da, bevor sie raus geht – und manchmal werden E-mails in einem Konzern über verschiedene Hierarchiestufen abgestimmt, bevor sie an den Empfänger gesendet werden. Das ist, weil die E-Mail als digitale Mail also als Briefi betrachtet wird. Betrachte ich die E-Mail aber eher als Konversation (zu Neudeutsch Chät), dann ist das eine radikale Veränderung,
– was die Zeit angeht, die ich mit einer E-Mail verbringe
– was die Qualität der E-Mail angeht
Ich schreib diesen Blogbeitrag jetzt mal mitten im Arbeitsstress, weil mir das grad so eingefallen ist, ohne nochmal drüber lesen, ohne Korrektur und SENDEN.

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Der Wandel als Kontinuität

Eigentlich ist es müssig, über den digitalen Wandel zu schreiben. So viel wandelt sich ständig, dass die Betrachtung über den Wandel veraltet ist, kaum habe ich sie ausgesprochen. War der Erwerb einer neuen Kasse einst eine Investition für das ganze Leben eines Krämerladens, wechselt man heute das „Customer Relations Management Tool“ bald jährlich, der heisseste Shit jagt den geilsten Scheiss, der Wandel wird zur Kontinuität. Ihn jedesmal als Wandel wahrzunehmen ist zu anstrengend geworden, ich spar mir die Aufregung, nehme ihn stumpf hin und will mich auf nichts mehr wirklich einlassen, denn morgen ist sowieso wieder alles anders.

Die interessante Frage in diesem ganzen Wandel-Wahnsinn ist, welche Veränderungen die Welt – und unser Leben wirklich verändern. Der schnellere Prozessor im Laptop bestimmt nicht. Das Carsharing? Ich befürchte, dessen Gegner werden recht bekommen und wir fahren alle genauso viel Auto wie zuvor, einfach nur mit geteilten statt mit geleasten Fahrzeugen. Das Crowdfunding? Fällt mir auch nur ein Ding ein, das es ohne Crowdfunding nicht gegeben hätte? Open Source? Ein kalifornisches Unternehmen stellt die technischen Daten für sein geniales Elektro-Auto der Welt zur Verfügung – aber passiert auch etwas damit?

Kulturpessimismus am Freitagabend. Frag mich Montagmorgen noch einmal.