gem(einsam)

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Ich sitze im Flieger von Berlin nach San Francisco. Das letzte mal habe ich diese Reise 1987 als Schüler gemacht. Alle Passagiere haben damals zusammen aus ihren Böxchen gegessen, ok, das ist heute auch noch so. Danach aber wurde feierlich die Leinwand ausgerollt und wir haben alle zusammen Gottes vergessene Kinder (Children of a lesser God) gekuckt. Das gemeinsame Erlebnis war immerhin so stark, dass ich mich heute, ein Vierteljahrhundert später, noch daran erinnere. – Und heute? Um mich herum flimmern 200 Bildschirme, auf jedem läuft ein individuelles Programm, die privaten Second Screens noch nicht mitgezählt, die natürlich auch im Flugzeug nicht fehlen dürfen. Eine Kakophonie von World War Z, Koreanischen Martial Arts, Star Wars und Softporno stürzt auf mich ein, währenddem ich Bruce Springsteen höre, damit wenigstens noch etwas so ist wie damals.

Tatort
Das letzte gemeinsame mediale Ereignis (neben Fußball EM und WM) ist, zumindest in Deutschland, der Tatort, der schon in den 70er Jahren eine treuere Gemeinde hatte als die reformierte Kirche. Von den Digital Natives ganz klar der Eltern- und Spießergeneration zugeordnet und tot gesagt, erhält das pünktliche und unaufgeregte Sonntagviertelnachachtevent gerade durch erstere ein Revival; nun wird getwittert, was das Zeug hält, über den Filmschnitt genauso wie über den Ausschnitt der Komissarin.

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