Der Akt des Anrufens

es wird ihn nicht mehr geben, den Akt des Anrufens. Wir werden erstaunt sein, darüber, dass es ihn jemals gab. Dass wir jemals ein Gerät zur Hand nahmen, eine Nummer wählten – ob mit Wählscheibe oder nicht ist dabei ganz egal. Wir werden einfach drauflosplaudern, wie’s grad kommt. „Kuck mal Bruder, was für ein cooles Auto“, wenn wir ein cooles Auto sehen und, „was isst denn Du heute zum Abendbrot, Mutter“, wenn einem gerade die Mutter in den Sinn kommt. Wir werden verbunden sein, alle mit allen, allzeit. Die Whats-App-Gruppe ist nur der Vorgeschmack darauf: „Schaut mal, ich hab heut mein Diplom zugesandt bekommen“ – und die ganze Familie sieht es. Die Schwierigkeit wird höchstens sein, dass die richtigen Leute die richtigen Informationen bekommen, denn vielleicht will man ja allen den neuen Freund digital vorstellen aber der eigenen Mutter nicht. Dazu wird man schon ein Weg finden, das Hirn so anzuzapfen, dass das Kommunikationsprogramm weiss, an welche Gruppe welche Inhalte kommuniziert werden müssen. Und wenn nicht. Irgendwann ist auch das egal. Jeder hat jederzeit seine im Stirnchakra verbaute Kamera an und jeder kann jederzeit kucken, was jedermann macht. Hans ist beim kacken, langweilig, da schau ich doch lieber bei Susi rein, die kocht grad was Interessantes. Und natürlich lässt sich das ganze auch auf Gedanken ausweiten. Wie schön, Paul hat grad an mich gedacht oder Franzi träumt gerade einen niedlichen Traum.

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Ein Gedanke zu „Der Akt des Anrufens

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