Kategorien
Allgemein

Genesis vs Gabriel

Die Jugend ist eines Tages vorbei. Und egal, ob Du mit Schaudern an Deine Pickel und Deinen Liebeskummer oder mit einem Seufzer an Deinen faltenlosen Körper und Deinen Liebeskummer denkst, sie ist unwiederbringlich und darum einmalig.

Jede Jugend hat ihren Soundtrack. Meine war von Genesis und Peter Gabriel begleitet. Und kommen nun, 25 Jahre später, Genesis oder Peter Gabriel in die Stadt, stellt sich die nicht leichte Frage: hingehen?

Warum hingehen? Hey, diese Jungs haben den Soundtrack Deines Lebens, zumindest Deiner Jugend, geschrieben. Geh hin. Hör sie live und im Original. Erweise Ihnen – und Deiner Vergangenheit – diese Ehre.

Warum nicht hingehen? Damals war damals. Und das kommt auch nicht zurück, wenn Du dir die Musik von damals anhörst. Erst recht nicht, wenn Du zum Live Konzert der Bands von damals gehst, um Dir die bittere Wahrheit anzusehen: Der Star ist alt geworden, genauso wie Du und die 20’000 grauhaarigen Fans links und rechts von Dir.

Währenddem heute ein Genesis-Konzert ein trauriges 1:1 Abspielen alter Lieder ist, bleibt ein Auftritt von Peter Gabriel aller grauen Haare zum Trotz erfrischend. Der Mann schafft es, seine Musik immer wieder selber neu zu interpretieren, live on stage neue Lieder zu improvisieren und auf das JETZT einzugehen. So singt er denn bei seinem Auftritt in der Berliner Waldbühne sogar in Deutsch. Über die Sintflut: „Wenn Nägel durch die Wolken schlagen“.BildPeter Gabriel, Red Rain, Waldbühne Berlin, 25. Mai 2014

 

 

Kategorien
Allgemein

Bedrohnung

Bild

Die großen Jungs spielen mit Drohnen: Das Deutsche Euro Hawk Projekt hat über 666’666’666 Euro verschlungen, bevor es gescheitert ist – und der Verteidigungsminister ist gleich mit abgestürzt.

Aber auch die kleineren Jungs spielen mit – entsprechend kleineren – Drohnen. Über 4444 Menschen – vermutlich zu über 88% Jungs – haben bei Kickstarter insgesamt mehr als 555’555 Euro gesammelt, damit der Mini Hexakopter „Hex“ jetzt als 3D Modell von jedermann ausgedruckt und für Erkundunsgsflüge über die Nachbarbalkone und die Schreibtische der Kollegen im Büro eingesetzt werden kann.

Ein Freund von mir berichtet, dass er gemütlich und nackt vor seinem Sommerhaus auf der Insel Rügen lag und sich plötzlich von einer Drohne beobachtet sah. Ihm hat ein Stinkefinger gen Himmel gereicht, um die Drohne zu verscheuchen, ich denke jedoch; wenn jeder eine private Drohne hat, sollte zukünftig auch jeder ein privates Fliegerabwehrsystem haben, um seine Privatspähre zu verteidigen.

 

Kategorien
Allgemein

iMage

Den ersten Fiat Panda (siehe FIAT AMEN) habe ich Anfang der 80er Jahre auf dem Touristenparkplatz am Rheinfall gesehen. Darauf hin haben die kleinen Blechschachteln (zumindest Süd-)Europa überschwemmt. 20 Jahre danach waren sie verschwunden, entsorgt und – falls die Absicht des Designers Giugiato aufgegangen ist – weitgehend recyceled.

Wann und wo hast Du den ersten Citroen BX gesehen? Den ersten Airbus A 380? Die erste Swatch? Oder die erste CD ROM? Wenn es nicht gerade die Neuauflage des Golf ist, empfinde ich immer ein leicht feierlich historisches Gefühl, wenn ich ETWAS  NEUES zum ersten mal in ECHT sehe, was davor ewig in der Presse und der Werbung angekündigt wurde und dann plötzlich DA ist REAL, anfassbar – und kurz danach an jeder Straßenecke, der Normalität und dem Alltag preisgegeben.

So geht es mir gestern mit dem BMW i3, dem ersten Elektro-BMW und Beweisstück, dass die Autolobby doch nicht nur  ihren Profit und die Vergasung der Welt im Sinn hat sondern auch den Ruf nach alternativen Antriebskonzepten hört – wenn auch 20 Jahre zu spät.

eMW

Ich entdecke das neue Wunder der Deutschen Automobiltechnologie ausgerechnet vor dem Bernischen Historischen Museum in dem grade eine Ausstellung über die genialen Pfahlbau-Technik gezeigt wird. Der Besitzer nutzt die kurze Zeit, in der das unförmige Gerät (wie kommt es eigentlich zu dieser Form!?) als Blickfang wahrgenommen wird, um für Häuser aus dem ewig modernen Werkstoff Holz zu werben. Und gleitet lautlos davon.

 

Kategorien
Allgemein

Prä Photoshop

Ein Effekt aus dem Vor Photoshopischen Zeitalter: Die farbigä Fänschterli im Schloss Laufen am Rheinfall.

20140505-213712.jpg

20140505-213733.jpg

20140505-213747.jpg

Kategorien
Allgemein

Crowdstorm

Aus der aktuellen brand eins

Ködern, drangsalieren, im Regen stehen lassen oder mitarbeiten lassen – es gibt verschiedene Arten, mit dem eigenen Kunden umzugehen.

Ausquetschen: MyTaxi 
Bedrohen: Samsung 
Ignorieren: diverse Fluggesellshchaft 
Entscheiden lassen: Thalia Theater 
Einspannen: Cuboro 
Mitbestimmen lassen: Victorinox

Der Crowdstorm Prozesses für Victorinox auf der Plattform jovoto (S. 66)Bild

Kategorien
Allgemein

Die Digitalisierung der Arbeitswelt im Spiegel

In einer vierteiligen Serie beschreibt der SPIEGEL die Folgen des digitalen Wandels.

Markus Dettmer und Janko Tiez haben in Ausgabe Nr. 17/19.4.14 ein paar kräftige Statements verfasst oder zusammengetragen:

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft so grundlegend wie einst die erste industrielle Revolution.

Sieht sie so aus, die Arbeit der Zukunft? Frei und selbstbestimmt, an keine Zeit und keinen Ort der Welt gebunden?

Die Arbeit wird sich künftig in zwei Welten abspielen: in Megakonzernen und in Mikrounternehmen.

Wer eine gute Idee hat, kann online Geldgeber finden, Mitarbeiter beschäftigen, Rechnerkapazitäten mieten und seine Produkte global vermarkten.

Die neuen Möglichkeiten verändern die Arbeitswelt grundlegend. Sie lassen die Grenzen zwischen Festanstellung und befristeten Jobs, zwischen drinnen und draußen, zwischen Arbeit und arbeitslos verschwimmen.

„Nicht die Idee eines Einzelnen ist die Lösung, sondern die kreative Kraft vieler“, sagt Unterberg, Gründer von jovoto

Das Internet hebt die Konkurrenz auf ein neues Niveau. Zwar können Kreative ihre Arbeiten Weltkonzernen wie Audi präsentieren, bei denen sie früher keine Chance hatten. Aber zugleich konkurrieren sie nun weltweit.

Internetplattformen als eine art Ebay für Arbeitskräfte sind heute schon Realität.

Möglicherweise wird die Online-Arbeit zu einem der führenden Modelle der Arbeitsverhältnisse des 21. Jahrhunderts.

Montagemeleiter können direkt von der Baustelle Verträge schließen und mit einem Spezialstift oder dem Finger auf dem Tablet unterschreiben. // In der Zeit, in der ein Montagemeister früher eine oder zwei Baustellen betreut hat, könnte er künftig das Doppelte schaffen. // Früher hat ein Montageleiter auch mal den einen oder anderen Arbeitsschritt vergessen. Doch die App vergisst nicht.

Wirtschaft und Gesellschaft würden von dem Wandel „nahezu totalitär erfasst“ sagt IG Metall-Vorstand Christine Benner.
Weder für Cloudworking noch für Crowdsourcing gebe es ausreichend rechtliche Rahmenbedingungen.

Mechanical Turk ist die Fließbandhalle der Wissensgesellschaft.

Die Gewerkschaften fordern ein Bündnis für eine freiheitliche, sozial gerechte Digitalisierung. 

Es müssen nicht nur für Festangestellte, sondern auch für Selbständige wie Crowdworker Mindestarbeitsbedingungen gelten.

Der amerikanische Computerwissenschaftler Martin Ford hält 75 Prozent Arbeitslosigkeit im Laufe dieses Jahrhunderts für möglich.

Die Forscher Michael Osborne und Carl Benedikt Frey von Oxford University ziehen ein verheerendes Fazit: Fast die Hälfte aller Jobs ist innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahrzehnte durch die Digitalisierung gefährdet.

In einem New Yorker Krebsforschungszentrum werden bereits Computer als Diagnose-Tools eingesetzt, sie erstellen anhand von Datenvergleichen den bestmöglichen Behandlungsplan.

Im Bildungssektor erstellt Software Aufgaben, korrigiert die Lösungen und erkennt Schwächen der Schüler.

„Die Überlegenheit der Algorithmen über das menschliche Urteil wird wahrscheinlich immer häufiger vorkommen“

„Im ersten Maschinenzeitalter ging es darum, Muskelkraft zu automatisieren“, sagt Brynjolfsson. „Jetzt, im zweiten Maschinenzeitalter, wird es darum gehen, kognitive Arbeit zu automatisieren“

„Jetzt wird Technologie nicht immer nur Ergänzung sein – sondern häufig auch Ersatz für die menschliche Arbeitskraft“

Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO): „Seit Jahrzehnten werden Diskussionen geführt, ob die Fabrik der Zukunft menschenleer ist, genauso übrigens, ob das Büro der Zukunft papierlos ist“, sagt Bauer. Das Ergebnis? „Nie gab es mehr Arbeitsplätze in Deutschland als heute.“ „Am Ende hat jeder technische Fortschritt mehr Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen als vernichtet“, sagt Bauer. „Der Mensch besitzt die Fähigkeit, den entstehenden Freiraum für Prozessverbesserungen und Innovationen zu nutzen.“

Dass allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass Restaurantköche in den nächsten 20 Jahren durch Computer ersetzt werden bei 96,0% liegt (Abbildung auf Setie 96), daran hab ich meine Zweifel.

Kategorien
Allgemein

Cyborg Transformation Part I

Bild

Die Leiden des digitalen Immigranten haben ein neues Gesicht.
Und ich einen neuen Knopf im Ohr.
Ist das der Beginn meiner Transformation zum Cyborg?

Auch wenn mich das Ding freundlich mit meinem Namen begrüßt, seh ich mich erst einmal konfrontiert mit einem over-engineerten Tele-Fon, das man z.B. nicht einfach „abnehmen“ kann sondern sich erst entscheiden muss, über welchen Kanal man sein Gegenüber „empfangen“ möchte, ergänzt durch diverseste Umleit-, Benachrichtigungs- und Nachrichtenspeichermöglichkeiten, ja sogar ein Bild des Anrufers kann man sich anzeigen lassen.

Währenddem mir das alles schon wieder viel zu viel Technik ist, erzählt mir meine Mitarbeiterin die genau umgekehrte Geschichte:  Ihre Nichte läuft mit dem furznormalen Festnetz-Telefonhörer durch die Wohnung, um ihrer Omi die neuen Spielsachen zu zeigen.

Kategorien
Allgemein

#oplatz

Gestern wurde der Oranienplatz in Berlin Kreuzberg geräumt. Hier haben durch zwei Winter hindurch hunderte von Flüchtlingen ausgeharrt. Sie haben sich im Herbst 2012 hierher bewegt, ursprünglich, um dagegen zu demonstrieren, dass sie sich in Deutschland nicht bewegen dürfen, bis die Frage geklärt ist, ob sie legal hier sind. „Kein Mensch ist illegal“ ist der Slogan, der am Eingang zum Flüchtlingscamp steht und vermutlich das Einzige ist, was sie alle verbindet. 2013 kommen Flüchtlinge aus Lampedusa dazu – das Drama, das sich bislang weit weg von hier auf dem Mittelmeer oder in den reisserischen Bildern von Stern und Bild am Sonntag abgespielt hat, ist plötzlich hier, direkt vor unserer Haustür.

Wiederherstellung der Bürgerlichkeit
Mach was gegen Hässlich: Wiederherstellung der Bürgerlichkeit durch die Polizei und einen samenspendenden Trecker

Und so unvermittelt das Flüchtlingscamp da war, so unvermittelt soll es jetzt auch wieder verschwinden: Bulldozer reissen Hütten ein, karren Sofas auf einen Haufen. Der Platz soll wiederhergestellt werden, bald soll frisches Gras über die Sache gewachsen sein. Der Spießer in mir freut sich. Doch man spürt, dass hier etwas passiert, was nicht gut ist. Menschen werden weggebracht. Die Zeitung berichtet, dass sie mit Bussen in eine Unterkunft gebracht werden – das Gewissen des Spießers beruhigt sich und wir gehen an dem Geschehen vorbei – schließlich hat man nicht ewig Mittagspause. Dennoch, der Vergleicht drängt sich mir auf, bleibt quer im Hals stecken: Ich weiss ebenso wenig darüber, was hier wirklich passiert, wie die Generation von Berlinern, die heute saget, sie wusste nicht, was damals geschah am #abahnhof

Kategorien
Allgemein

DG

Don Giovanni in der Deutschen Oper – was für ein radikal moderner Kunst-Genuss.
Allein schon die Idee, die Macht, den Wahnsinn und die Fickerigkeit des Hauptcharakters in Form von 24 Charakteren darzustellen, ist großartig. So nimmt Don Giovanni in dem Stück buchstäblich den gesamten Raum ein und man fühlt sich regelrecht in sein Hirn versetzt – oder auch in seinen Hodensack, in dem die Spermien aufgeregt herumtrippeln.

BildEin Erlebnis selbst die radikale Designsprache des Restaurants Deutsche Oper. Magisch an diesem Ort in West Berlin ist das Zusammentreffen von moderner Architektur, Bühnenbild, Design – und Musik: Auch der Soundtrack von Mozart ist überwältigend und ewig modern.

Kategorien
Allgemein

Die dritte Welt

In meiner Kindheit, ja auch noch in meiner Jugend, war es mir unvorstellbar, dass diese, unsere reale Welt eines Tages ein komplettes Digitales Abbild bekommen würde.

Unterdessen ist inexistent, was im Netz nicht abgebildet ist. Ich seh die gemütliche Kneipe vor meiner Nase nicht mehr, geh achtlos an ihr vorbei, weil mir irgendeine Äpp eine gemütliche Kneipe in 261m rechts anzeigt. Auch die Wahrsagerin im Dorf oder der Familientherapeut in der kleinen Stadt existiert nur, wenn sie oder er zumindest eine Homepage hat; die „Haus-Seite“ ist auch hier realer als das in Backstein gebaute Haus. Selbst Freud hätte in der heutigen Zeit vermutlich keinen einzigen Patienten ohne seine Homepage: Freud.at

In dem Moment, wo ich akzeptiert habe, dass es ein 1:1 Abbild der Welt im Internet gibt, eine zweite, Digitale Schicht, die über allem liegt, frage ich mich natürlich, was denn die dritte Welt sein wird, das Abbild vom Abbild. Dazu fehlt mir – momentan noch – die Vorstellungskraft.