unsere Zeit

Man fragt sich jeden Tag, wo die Zeit im Büro abbleibt. Was, schon wieder 16 Uhr, ich hab doch nur ein paar Mails geschrieben. Und gefühlt braucht das Schreiben einer E-Mail nur EINE Minute. Aber schreib mal Mails auf der 12 Minuten U-Bahn Fahrt zur Arbeit. Wie viele schaffst Du? Maximal EINE und auch die ist noch schlampig hingerotzt. Aber vielleicht schafft Du EINE wohlbdachte SMS, die wiederum gefühlt 10 Sekunden braucht. DA also bleibt unsere Zeit. Dieser popelige Blogbeitrag: eine Viertelstunde..

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Master Maurice

Für heute lass ich mal meinen Ex-Chef sprechen:

7 Key Insights by Maurice Lévy, Chairman and CEO of Publicis Groupe

Maurice came to the Berlin School of Creative Leadership to speak about how big data, e-commerce, digital transformation and two billion new consumers will affect the creative industries. In picturing the communication landscape of tomorrow and the importance of re-thinking the intersections in a blurred world, he shared what he claims to be his personal formula.

1. The “Blurred World”
2. Speed
3. Digital Transformation
4. The Formula: IQ, EQ, TQ & BQ
5. Pioneering in Today’s World of Advertising
6. The Issue of Collaboration
7. How to Align People

1. The “Blurred World”
“We used to live in a world where we would categorize companies and industries, even people, in kind of formatted ways. This person is an engineer. That company operates in the automobile industry. These days everything is blurred: People are blurred. Companies are blurred. Even time is blurred. Think of a company like Amazon. What kind of a company is it? A bookseller? A retailer? A media outlet? The great thing about that is that we can now think about the intersections in a way that we never thought of before. Today you can be very creative and successful in redefining these blurred lines.”

2. Speed
“We are living in a time of speed. If you think about something today, and if you really believe you can do something different – you’d better do it bloody quick. You just have to move fast or somebody else will probably take your idea. Think about companies like Facebook. At the same time, existing companies are struggling to keep up. Even if you have been very successful for a very long time – if you’re not taking the right decisions today, your company can get close to death by tomorrow. This is very much true if you think about tech firms and companies, but as our world continues to digitalize, it’s not only them anymore.”

3. Digital Transformation
“Remember the Internet bubble? In 2005, we were basically in dead seats, no one was investing in digital anymore and yet – you could see the change happening. I’ve heavily invested since 2006, because I did observe the people in the streets. How they were using their mobile phones, how they were shopping online. And I knew things were about to happen that would impact our industry in a game-changer kind of way. Anyone remembers Sony’s Walkman? Why haven’t they invented the i-pod? They were on the wrong technology path, basically.”

4. The Formula: IQ, EQ, TQ & BQ
“How can you be a pioneer in today’s world of advertising? In advertising we can change the way people see the world. If we manage to engage with them emotionally, we infect their brain. But what we need today is not only smart ideas that connect brain and emotional intelligence. We need these four: IQ, EQ, TQ – which refers to technology quotient – and BQ…be bloody quick.”

5. Pioneering in Today’s World of Advertising
“In advertising, we are supposed to be at the forefront of everything that is new. We are supposed to be the Avant-garde, to take risks – but we also have a high responsibility towards the client. There is some paradox in that. We cannot predict exactly how people will react to something. We have to accept that there is no secure recipe for success or total control. People are analog, not digital. But no matter what you do, if you believe in what you’re doing, stick to it, fight skepticism, and at the same time, be cautious about what you’re doing – at least make sure that your idea would cause no harm.”

6. The Issue of Collaboration
“We don’t live in a world of manufacturers anymore, in which companies used to design, develop, produce and distribute their products under the same roof. We all have to go for collaboration. Big data is a big issue and the new markets of China, India and Africa – just imagine the scale of two billion new consumers. We’ve started early to collaborate with Google, Facebook, Twitter, with different start-ups and media outlets. I believe this trend of collaboration will increasingly play a big role in the world of tomorrow, and the way in which we will manage business effectively.”

7. How to Align People
“A pioneer is not a group of people. A group of people can be pioneering in what they do, but there is always the one who is leading the way. It’s crucial to align people. Stay curious. Observe. Accept. Be flexible and alert. Make sure you give a few directions that everyone understands. No one has a better idea than everyone together. Don’t refuse to learn from somebody else, that’s just arrogance. I hate complacency; and I always like to think that the greatest success is yet to happen. If your team has the same spirit as you, you’re heading in the right direction.”

About Maurice Lévy
Maurice Lévy is Chairman and CEO of Publicis Groupe, the world’s third largest advertising and communications group, founded in 1926.

Maurice Lévy President Lecture @ Berlin School of Creative Leadership 11.11.14

Fight Mob

Es ist der größte Horror, den uns das Internet bescheren kann. Der IS, so ist täglich in den Medien zu lesen, rekrutiert täglich und weltweit Islamische Kämpfer über die Sozialen Netzwerke, deren Name dadurch zu einer Ironie verkommen. Wir erleben gerade den vermutlich größte und grausamsten Flash-Mob der Geschichte. Flash Mobs waren bislang nette, belanglose Veranstaltungen; Fahrradfahrer legen einen Kreisverkehr lahm, hundertfünfzig Tänzer und Tänzerinnen rocken den Hauptbahnhof und im kriegerischsten Fall bekämpfen sich Kreuzberger und Prenzlauer Berger bei einer Schneeballschlacht. Mit dem Aufruf der IS zum Heiligen Krieg bekommt der Flash Mob eine ganz neue Bedeutung, Mob im wahrsten Sinne des Wortes – der Mob wird weltweit zusammengerufen, die Zerstreuten, die, deren Leben bislang keinen Sinn hatte, die, die nicht wussten, wo sie hingehören hören nun die Flöten der muslimischen Rattenfänger.

Meine Horrorvorstellung war immer, dass die Daten der Sozialen Netzwerke eines Tages von einem „Bösen“, von einem „Hitler 2.0“ missbraucht werden könnten, um „ungeliebte Elemente“ zu identifizieren und zu eliminieren. An die andere Möglichkeit hatte ich nicht gedacht: Dass die Wir-haben-uns-alle-lieb-Welt des Internets missbraucht werden könnte, um sich eine Armee von Gotteskriegern und Gotteskriegerinnen zusammenzurufen, innerhalb von wenigen Wochen und Monaten. Und vermutlich werden am Ende beide Effekte kombiniert: Sowohl die Armee der Erleuchteten wird über das Internet zusammengestellt als auch die Listen derer, die in deren Augen nicht würdig sind, auf dieser Welt zu leben.

Der Akt des Anrufens

es wird ihn nicht mehr geben, den Akt des Anrufens. Wir werden erstaunt sein, darüber, dass es ihn jemals gab. Dass wir jemals ein Gerät zur Hand nahmen, eine Nummer wählten – ob mit Wählscheibe oder nicht ist dabei ganz egal. Wir werden einfach drauflosplaudern, wie’s grad kommt. „Kuck mal Bruder, was für ein cooles Auto“, wenn wir ein cooles Auto sehen und, „was isst denn Du heute zum Abendbrot, Mutter“, wenn einem gerade die Mutter in den Sinn kommt. Wir werden verbunden sein, alle mit allen, allzeit. Die Whats-App-Gruppe ist nur der Vorgeschmack darauf: „Schaut mal, ich hab heut mein Diplom zugesandt bekommen“ – und die ganze Familie sieht es. Die Schwierigkeit wird höchstens sein, dass die richtigen Leute die richtigen Informationen bekommen, denn vielleicht will man ja allen den neuen Freund digital vorstellen aber der eigenen Mutter nicht. Dazu wird man schon ein Weg finden, das Hirn so anzuzapfen, dass das Kommunikationsprogramm weiss, an welche Gruppe welche Inhalte kommuniziert werden müssen. Und wenn nicht. Irgendwann ist auch das egal. Jeder hat jederzeit seine im Stirnchakra verbaute Kamera an und jeder kann jederzeit kucken, was jedermann macht. Hans ist beim kacken, langweilig, da schau ich doch lieber bei Susi rein, die kocht grad was Interessantes. Und natürlich lässt sich das ganze auch auf Gedanken ausweiten. Wie schön, Paul hat grad an mich gedacht oder Franzi träumt gerade einen niedlichen Traum.

unerhört

Der Junge Mann
ich schwärme gerade davon, dass ich die Whats-App Gruppen-Chat Funktion entdeckt habe und diese ein ganz neues Familien-Zusammengehörigkeitsgefühl ermöglicht: Live-Berichterstattung von der Velotour, vom Frühstücks-Stüllchen über das Pilze-Suchen und das Baden im kalten See bis zu Rehrücken am Abend. Die Familie ist quasi dabei auch wenn sie über die ganze Republik oder sogar über die ganze Welt verteilt ist.
Der junge Mann belehrt mich darüber, dass die Whats-App-App sich über die Allgemeine Geschäftsbedingungen nicht nur das Recht zur Verbreitung der Fotos und Texte sichert (wie die Presse die Empörung glaubwürdig dämpft, braucht sie dieses ja auch, um die Fotos und Texte an die Empfänger versenden zu können) sondern auch das Recht, Ton- und Bild-Aufnahmen über Dein Smartphone machen zu dürfen. Natürlich kann man auch hier argumentieren, dass diese Funktion nötig ist, damit Whats-App Deinen gemurmelten Kommentar zum Frühstücks-Ei aufnehmen und an die Freunde versenden kann, aber was, wenn Whats-App beginnen sollte eigenwillig Ton- und Bild-Materialien aufzunehmen? Damit läge der Feind, der alles mithört mitten auf Deinem Küchentisch – der Traum jedes Stasi-Mitarbeiters – die absolute Überwachung in bester Tonqualität und das ganz ohne aufwändige Verwanzung von Wohnungen.

Der alte Mann
selbentags unterhalte ich mich mit einem etwas älterer Mann über die Entwicklung von Europa. Er ist Schweizer und überzeugt, dass der Euro ganz Europa in den Abgrund reissen wird, weil die (Erfolg-)Reichen Staaten für den Bankrott der Bündnispartner bezahlen müssen und selbst daran zugrunde gehen werden. Zudem denkt er, dass „in 50 Jahren auf unseren Plätzen wieder öffentliche Hinrichtungen stattfinden“, weil Europa muslimisch dominiert sein wird, wie das schon in der Vergangenheit der Fall war.

Traum und Albtraum
Die beiden Gespräche haben nichts miteinander zu tun und doch ergeben sie, wenn man deren Inhalte miteinander verknüpft ein gespenstisches Szenario: Wir Europäer lernen gerade von den Amerikanern das „Prinzip Offenheit“ zu leben, akzeptieren jede AGB von Facebook bis Whats-App ohne hinzukucken, geben diesen Diensten die Berechtigung unseren Standort, unsere Bilder und Töne zu benutzen – und dann kommt die IS-Herrschaft, eine immer größer werdende Truppe von Menschen mit einer militant mittelalterlichen Weltanschauung, die zur Verbreitung derselben modernste Technik verwendet. Lass den „Islamischen Staat“ die Herrschaft über Facebook und Whats-App bekommen und das Horrorszenario ist perfekt.

Ent-Scheidung

Ein Traum. Aufgrund der Überbevölkerung oder vielleicht mit der Absicht die Gesellschaft (z.B. in arm und reich, intellektuell und arbeitend) zu trennen, wird die Welt in verschiedene digitale Ebenen eingeteilt, die parallel stattfinden, auf derselben Welt, sich aber nicht treffen.
Durch einen Systemfehler kommt es aber zu einer Kollision der beiden Welten, was einen Massenunfall und eine kollabierte Autobahnbrücken zur Folge hat.
Ich geh durch die zerstörte Landschaft und staune, weil ich zum ersten mal sehe, wie dieselbe Welt von den Bewohnern der andren Layer benutzt wird. Ich seh überall verletzte Menschen des anderen Layers rumliegen, die Hilfe benötigen. Es sind aber ganz andere Menschen, eher wie Robotter (ich erkenne Eva aus Wall-E), und ich weiss nicht, welche Art von Hilfe sie benötigen, Blut fliesst offensichtlich nicht in ihnen. Ich frage einen Jungen Mann, der verletzt ist und am Boden liegt, was er denn brauche. Er haucht mir drei Dinge ins Ohr: Wasser, Salz und noch etwas – ich eile los und schreib mir die Dinge in mein iPhone aus Angst, sie in der Aufregung zu vergessen. Ich komme zu einem Shopping-Center, immer noch im anderen Layer, es sieht gigantisch aus – ich mach trotz der Aufregung ein Foto und denke, das muss ich den Leuten in meinem Layer senden und frage mich, ob wohl facebook noch funktioniert, wenn die Ebenen kollabiert sind.
Im Supermarkt weiss man von der Katastrophe (noch) nichts – die sich offensichtlich nur lokal bei dieser Autobahnbrücke abgespielt hat und man versteht auch meine Aufregung nichts. Ich will wohl aus dem Supermarkt fliehen (vielleicht, weil ich die Dinge im anderen Layer sowieso nicht bezahlen hätte können – wie auch), ein Polizist am Hinterausgang will mich daran hindern. Da seh ich, wie hinter ihm eine ganze Reihe von futuristischen Fahrzeugen angerast kommen, die selbst ihn in Erstaunen versetzen; offensichtlich kommen sie auch nicht aus seinem Layer. Der Gedanke liegt also nah, dass die Welt nicht nur in zwei, sondern in drei oder in unendlich viele parallele Ebenen aufgeteilt wurde – prallen sie aus einem technischen Defekt alle aufeinander ist die Katastrophe perfekt.