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sehr häufig

Sind Sie internetsüchtig? Der Test stammt von Dr. Kay Uwe Petersen, Universitätsklinikum Tübingen: Beantworten Sie die Fragen bezüglich Ihres Internet-Konsums auf einer fünfstufigen Skala von 0 (nie) bis 4 (sehr häufig), kommen Sie auf mehr als 24 Punkte oder mehr, sollten Sie Expertenrat suchen. Ich komme auf 36 Punkte. Die Telefonnummer für das Deutsche Zentrum für Suchtfragen ist die 040 74 10 593 07. Ich werde nicht anrufen. Trotz meiner 36 Punkten fühle ich mich, was meinen Internet-Konsum angeht nicht übertrieben sondern zurückgeblieben, so ganz ohne Tumblr- und Instagram-Profil, und Geisterstadt-ähnlich verwaisten Pinterest-, Flickr- und Twitter-Accounts. Ich bin also noch auf dem Weg hinein in den Moloch, währenddem die ersten (natürlich wieder die Kalifornier) schon wieder hinausdrängen. So berichtet die Titelgeschichte der aktuellen Stern-Ausgabe, Nr.10, 27.2.2014. Ich lese die Papier-Ausgabe des Magazins im Bett meines Hotelzimmers an der Nordsee: Noch bin ich kein hoffnungsloser Fall.

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FIAT AMEN

Es sind nicht nur die gewaltigen Umwälzungen und Errungenschaften des 21. Jahrhunderts, die dem Menschen aus dem 20. zu schaffen machen. Es sind auch die – mal mehr, mal weniger heimlich – entschwindenden vertrauten Dinge aus dem 20. Das Verschwinden des Papierfilms hat nun auch die Rentnergeneration hingenommen – sie genießen unterdessen das verschwenderische digitale Fotografieren des Schiefen Turms von Pisa im Maschinengewehr-Modus ohne auf 24 oder 36 Bilder beschränkt zu sein. Von weit geringerer Bedeutung als das Ende des Papierfilms und der Omnipräsenz der Kodak Logos an jeder Straßenecke und in jeder Skihütte ist sicherlich das Verschwinden einer einzelnen Auto-Marke. Und dennoch geht damit ein Kultur-Gut einer ganzen Generation verloren.
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F.I.A.T.
Fabricca Italiana Automobili Torino. Die Vier Buchstaben hatten einst Glanz und Bedeutung
Fabricca – hier wird etwas geschaffen mit Tradition und mit Stolz
Italia – auch Italien hatte seinen Glanz, bevor einzelne Politiker die Kultur-Wiege zur Witz-Kultur Europas gemacht haben.
Automobili – das sich selbst Fortbewegende. Dass sich ein Auto automatisch fortbewegt ist nichts Spezielles mehr. Spannend ist für uns höchstens noch das sich selbst  fahrende Google-Mobil.
Torino – was für ein klingender Name: Turin, die Hauptstadt des Designs über der Giorgio Giugiaro als Gott des Auto-Designs schwebt.

Dieses Jahr wird bekannt gegeben, dass FIAT in die FCA übergehen wird, die Fiat, Chrisler Automobiles. Ausgerechnet Chrisler. Statt intelligenter, zukunftsweisender Autos wie dem legendären „Volks-Fiat“, dem Panda, werden hier brachialste, rückwärtsgewandte Design-Verbrechen begangen, Cabriolets wie der PT-Cruiser und Kombis wie der Chrisler Touring gleichermassen an Amerikas große Auto-Zeit nur noch erinnernd. Nicht einmal der Hauptsitz der FCA soll in Italien bleiben. Mehr kann man einem Unternehmen die Seele nicht rauben. Das F in der Unternehmensbezeichnung wirkt mehr wie ein Hohn als wie ein Homage.

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Der Nostalgie halber möchte ich hier festhalten, was ich mit der Marke FIAT verbunden habe. Zurückblickend war eigentlich auch unser fröhlich vor sich hin jauchzender FIAT Bambino nur noch ein Schatten seines Originals, dem FIAT 500, dennoch hatte er einen Charakter, und sei es nur seine klassisch Italienische Reparaturanfälligkeit gewesen. Ebenso sein Nachfolger, der FIAT Panda, der erste große Wurf von Giorgio Giugiaro, voller quirliger Erfindungen, was die Nutzer-Freude eines Autos und dessen Nachhaltigkeit betrifft.

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FIAT hinterher zu trauern bedeutet, Italien hinterher zu trauern. Es hilft nichts; Das Auto der Zukunft kommt aus Kalifornien und atmet weder Benzin noch Diesel. Mit dem Ende von FIAT haucht eine ganze Generation von Automobil Geschichte seinen letzten Atem aus.

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19000000000

Als vor vor einigen Jahren einem 17-jährigen Schulkind ein paar Millionen für sein Chatroulette angeboten wurde, war das eine Sensation. Vorgestern wurde der Chat-Dienst Whatsapp für 19 Milliarden Dollar an Facebook verkauft. Wert wird mit Masse geschaffen, mit dem, was alle tun: Quatschen und Ficken.
In diesem Fall 1:0 fürs Quatschen.

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Gib Dich nicht auf, twitter!

Bloggertreffen in Berlin.
Ist das hier das Bloggertreffen?
Ja.
Etwas betretenes Schweigen. Die meisten kucken oder tippen geschäftig in ihre Smartphones. Die Anwesenden sind Blog-Autoren und Blog-Autorinnen, Blog-Leser und Blog-Leserinnen. Merkwürdig, sich plötzlich in Fleisch und Blut gegenüberzusitzen, wo man doch nur eines teilt: Dass man einen Blog schreibt.
Wie heisst Du?
Christian.
Ich mein bei Twitter?
Ach so. Ich twitter nicht.
Einem feurigen Vortrag über Reichweiten, Response und die Freuden des digitalen Kommunizierens folgt der Ausruf: Gib Dich nicht auf, twitter!
Ich kann den Ausführungen nur halb folgen, aber ich beschliesse, mich nicht aufzugeben und diese Geschichte zu bloggen.

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C3

Der Geschirrspüler streikt, das heisst, im Gegenteil, er pumpt ohne Ende nichtvorhandenes Wasser selbst dann, wenn man ihn ausschaltet. Das Display, das sonst die Laufzeit anzeigt, zeigt C3. Die Gebrauchsanleitung sagt: C3, ganz schlecht, Kundenservice anrufen. Der Kundenservice sagt: C3, ganz schlecht, Servicetechniker bestellen. Der Servicetechniker sagt: Das wird 75€ Anfahrt kosten und dann 7.20€ je 5 Minuten. Meine Frau sagt: Lass uns einen neuen Geschirrspüler kaufen.
Kurz bevor wir uns entscheiden, das Meisterwerk Deutscher Geschirrspültechnologie auf den Schrott zu werfen, entscheiden wir uns dafür, doch kurz bei Google einzugeben: Lavamat XYZ 203010 zeigt C3. Die Antwort lautet: Der Wassersensor hat sich wohl verhakt und zeigt drum eine nicht vorhandene Überschwemmungsgefahr Namens C3 an. Lässt sich durch einmaliges leichtes Kippen des Spülers beheben.

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Ein Kinderspiel

Wenn früher ein neues Radio-, Tonband- oder Fernsehgerät ins Haus kam, war dies ein Großereignis für die ganze Familie – und alle examinierten den neuen Mitbewohner bis auch die letzte seiner technischen Raffinessen ausgekundschaftet war: Die Stellung der Antenne, bei der das Bild wirklich stabil blieb und nicht wellenförmig nach unten oder oben tanzte, die Einstellung der Helligkeit und später sogar der Farbigkeit von leichten Aquarelltönen zu überstrahlten Neonfarben. Heute vergehen lediglich ein paar Tage, bis man mit der nächsten technischen Errungenschaft konfrontiert wird. Diese Woche: Die Playstation. Insgeheim hatte ich gehofft, ich könnte das Playstation-Zeitalter überspringen, schwupp, ist sie schon da. Wie der Name sagt, kann man mit dem Ding Spiele spielen und die Kinder greifen damit auch in Piratenfilme ein, statt die Handlung einfach den Schauspielern zu überlassen. Man kann die Playstation aber auch nutzen, um traditionell lineare Filme zu kucken, und die unförmige Steuerung für banale Aktionen wie vorwärts und rückwärts spulen ganz ohne Play- oder Fast Forward Knöpfe dafür mit zwei wabbeligen Gummidingern namens Joystick und einer ganzen Reihe anderer Knöpfe, mit denen das Ding so üppig bestückt ist, dass es kaum möglich ist, es zu halten, ohne einen davon zu drücken. Das Interessante an der Erfahrung ist: Man lernt ganz schnell, welcher Knopf welche Aktion ausführt, auch wenn er nie für diese Funktion gedacht war. Aber man kann ja auch mit der Gabel Suppe essen. Wenn man nur will.

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Strandgut

Es ist Morgen. Die Kinder sind in der Wellensurfschule. Am Nachmittag kommt der Wind. Da sind sie in der Kitesurfschule. Ich geh dem Strand entlang. Die ehrgeizigen Menschen joggen an mir vorbei. Ich mag die Tätigkeit genauso wenig wie das Wort, das sie beschreibt.

Eine junge Frau allein auf weiter Flur. Sie fotografiert sich selber in der Morgensonne, lässt ihre Haare im Wind flattern und prüft dann das Foto sehr genau, bevor sie es postet. Sie ist nicht hier sondern zu Hause, wo die Menschen schon Mittagspause haben. Unter ihrem Foto steht vermutlich „yeah“.

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Der Bordercollie trägt ein Muschelhalsband, was sonst, der Appenzellerhund trägt ja auch ein Appenzeller Halsband mit Almaufzugmotiven.

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Der Muschelverkäufer hat nur ein Bein und humpelt zum Meer. Und ich schäme mich für die naheliegende, blutrünstige und sensationslustige Vorstellung, wie der weisse Hai dem tapferen Surfer das Bein ausreisst und wie dieser vor Schmerz schreiend von seinen Freunden gehalten auf dem zerbeulten, laut hupenden und Russ ausspuckenden Pickup ins lokale Hospital gefahren wird.

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Ein Deutsches Paar streitet laut gegen den Wind an. Sie schreit „das kann doch wohl nicht wahr sein“ während dem er schuldbewusst seinen Zeh in den Sand bohrt. Vermutlich hat er der schönen Surflehrerin hinterhergekuckt oder mehr als nur gekuckt, oder er hat sich angesichts der braungebrannten und gestählten Surferfiguren einen Kommentar über ihren Marshmellowkörper erlaubt.

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hin und weg

(Hamburg-Punta Cana). Wir fliegen in den Urlaub. Weit weg. In die – oder sagt man AUF die? – Dominikanische Republik. Wir posten bei facebook, wir fliegen jetzt los und 10 Stunden später, wir sind jetzt da. Die Nachrichten werden auf den immer selben Server gespielt, und sie werden von unseren Freunden von immer demselben Server heruntergeladen. Der steht auf Island oder im Grönländischen Eis oder weiss ich wo, auf jeden Fall weder in Deutschland noch in oder auf der Dominikanischen Inselrepublik. Ich will damit sagen, auch wenn wir weg sind, sind wir nicht weg, genauso, wie wir nicht da sind, wenn wir da sind. Eigentlich sind wir alle immer auf einem Server in Grönland – und unsere Körper sausen irgendwo da draussen rum, um ihn zu füttern.

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Kokosfett statt Internet

Karibik statt Berlin-Brandenburg. Palme statt Tannenbaum. Banane statt Bratapfel. Rhum statt Bier. Salz auf der Haut statt Fingerabdrücke auf dem Monitor. Frohe Weihnachten statt frohe Weihnachten.

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Teilchenbeschleuniger

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Heute Nacht habe ich einen 3D Kino würdigen Traum geträumt: Eine Staffel asymmetrischer, kubistischer, fliegender Kampfmaschinen legen vor den staunenden Touristen auf dem Ausflugsschiff halb Manhatten in Schutt und Asche. Man ahnt, es geht hier um eine Machtdemonstration, eine eventuelle Verunsicherung ist unbeabsichtigt.

Schnitt: Dieselben unförmigen Maschinen rasen durch die Tessiner Täler knapp über der Wasseroberfläche. Sie können sich sogar wie einige Vögel ins Wasser stürzen, und so taucht denn unvermittelt ein solches Gerät vor dem Bootssteg auf, auf dem ich grad gemütlich mit meiner Freundin sitze. Ein aus der Maschine ausgefahrenes Gewehr ist präzise auf meinen Kopf gerichtet und eine Stimme bittet mich – trotz des Tessins auf Schweizerdeutsch – mich auszuweisen.

Schnitt: Als emanzipierter Bürger möchte ich natürlich der Sache auf den Grund gehen. Ich finde eine Hotline der Kantonspolizei bei der mir ein freundlicher Mann erklärt, man würde jetzt diese Geräte einsetzen, um die Sicherheit in der Schweiz zu erhöhen. In einem Blog finde ich den Beitrag eines besorgten Bürgers, der fragt, ob die Maschinen denn auch genügend Munition mit sich führen würden. Ich überlege mir, dass die High Tech Ungeheuer bestimmt auch ihre Munition fortlaufend aus Materie generieren könnten, die sie aus der Luft sammeln, sehe dann aber davon ab, meine Idee in dem Blog kundzutun.